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Sehr viel habe ich die letzte Zeit zu den Themen Rassismus und Sexismus gelesen, Artikel, Blogeinträge, Kommentare, Tweets etc.

Ich war erst mal perplex, dann neugierig, dann wie vor den Kopf gestoßen und jetzt fühle ich mich als sei ich blind gewesen die letzten Jahre. Das große Ganze sah ich nicht. Mit Rassismus komme ich verhältnismäßig wenig in Kontakt und mit Sexismus sehr oft. Aber klar ich bin eine Frau, ist also normal, oder?

Ich kann hier nur aus meiner Sicht schreiben und was die Überarbeitung der Kinderbücher angeht, war ich im ersten Moment erstaunt, wie viel Gedöns darum gemacht wird, sowohl von den Befürwortern als auch von den Gegnern. Von Zensur war da die Rede, vom Verlust der deutschen Sprache… Ich schäme mich, wenn ich sagen muss, dass ich zwar über solche Wörter stolpere, wenn ich sie lese, aber ich habe mir wenig Gedanken darüber gemacht, deshalb sah ich das erst mal nicht als sooo schlimm an. Nach weiterem Nachdenken (Gott sei Dank) und viel Information (Gott sei Dank) bin ich für mich zu dem Schluss gekommen, dass es absolut nötig ist diese Bücher zu überarbeiten. Solche Wörter sollten aus dem allgemeinen Sprachgebrauch schon lange verschwunden sein, und auch ohne über solche Wörter in Kinderbüchern zu stolpern, kann ich meinen Kindern Respekt, Toleranz und Neugier nahebringen. Auch ohne solche Aufhänger werde ich sicher irgendwann mal mit meinen Kindern auf Kolonialisierung, Rassismus und deren Folgen zu sprechen kommen. Der Gedanke was solche Wörter bei meinen ausländischen Freunden und Bekannten anrichten ist einfach nur gruselig. Dass es da Menschen gibt die sich wirklich nicht zu schade sind bei diesem Thema mal ordentlich auf den Putz zu hauen und der Meinung sind solche Wörter seien wichtiges Kulturgut und ganz normal, das kann ich nicht nachvollziehen. Trotzdem führen auch solche Meinungen im Endeffekt dazu, dass breit darüber diskutiert wird und so auch  informiert wird, und bestenfalls Augen geöffnet werden, für die Vielfalt und die Buntheit unserer Welt.

Mir sind aber auch die Parallelen zu der Aufschrei Debatte aufgefallen. Ich möchte hier jetzt nicht näher auf die Themen :  Machtverhältnisse, Patriarchat und Machtmissbrauch eingehen dazu gibt es andere die das viel besser formuliert bekommen als ich. Es geht bei beiden Themen für mich aber um das selbe, um Macht. Meine Eltern haben mir zum Thema Rassismus eine größtenteils gute Einstellung mit auf den Weg gegeben was ich von Selbstwertgefühl und Vertrauen nicht gerade behaupten kann, sonst wäre das eine oder andere sicher nicht passiert, oder ich hätte zumindest darüber sprechen können und den Fehler nicht so absolut bei mir gesucht.

Ich selber bin als Frau, als Kind, oft sexistisch behandelt worden, auf der Straße, in der Schule, beim Ausgehen, auf dem Schulweg, im Büro etc… überall und seit ich bewusst denken kann. Da ist der Mann im Park, der uns Kindern ein Vögelchen zeigt das aus dem Netz gefallen ist, mit raushängendem Schwanz. Der Mann der mich im Auto mitnimmt, weil ich den Bus verpasst habe und mir ans Bein fasst um ein „Insekt zu entfernen“. Der Arbeitskollege der mich mit 15 in die Ecke drängt und mir sagt ( Ich will ein Kind mit dir machen). Der andere Arbeitskollege der meine Naivität ausnutzt und mich zu sexuellen Handlungen drängt. Der Arbeitskollege der nachts betrunken an meine Tür klopft und nicht so genau sagen kann was er will und dann Gott sein Dank abhaut. Der Chef der mich mit Wasser bespritzt und vor versammelter Mannschaft sagt: “ jetzt bist du auch mal feucht“. Der Kollege der mich anglotzt und sagt er würde mich gerne auf die Motorhaube werfen und f.icken …. Ich könnte unendlich weiter schreiben. Ich habe das tatsächlich als „normal“ angenommen, es fühlte sich nicht gut an, aber es ist eben allgegenwärtig, also muss ich es sein die ein Problem hat. Jetzt beim Schreiben wird mir schlecht… Einer der ersten Gedanken als ich gesagt bekam, dass ich ein Mädchen erwarte war : „Wie soll ich sie schützen?“ Ich werde sie schützen mit allem was ich habe und noch viel mehr. Beide sollen sich zu wehren wissen, mit Worten und Notfalls auch anders und vor allem sollen sie nicht hinnehmen! Ich werde aufklären, stärken und reden aber vor allem auch vorleben.

Ich würde sagen, dass mein Geschlecht mir manches vereinfacht hat im Leben, ich habe immer leicht Arbeit gefunden und wurde oft zuvorkommend behandelt, aber zu welchem Preis? Ein nettes Lächeln hat mir des Öfteren eine Tür geöffnet, doch wohin hat sie geführt? Den letzten Job habe ich gekündigt nach dem ich und zwei weitere Kolleginnen uns bei der Personaldirektorin (lustig die Korrektur sagt es gibt nur Personaldirektoren) und dem  Generaldirektor beschwert hatten über Mobbing und Sexismus, wir waren mit der Firma bei Anwälten und bekamen das Blaue vom Himmel versprochen. Am Ende bekamen wir gesagt man könne uns nicht helfen, es gäbe keine Gesetze für Mobbing und wenn wir wollten könnten wir ja eine Anzeige wegen sexueller Belästigung machen.  Unser Chef bekam einen anderen Posten, ich war weiterhin von ihm abhängig und ansonsten änderte sich nichts. Die Dominanz von Männern wird nicht von ein paar empfindlichen Hühnern gestört! Wir haben uns gegen die Anzeige entschieden, wurden distanzierter, aber nicht respektvoller behandelt und ich kündigte! Eben hat mir ein älterer Kollege 3! Blätter vor die Nase gelegt mit sexistischen, frauenfeindlichen Witzen, ich las, warte auf die aufklärende Pointe und wurde enttäuscht. Auf seine Nachfrage hin wie ich die Witze fand, sagte ich nur, frauenfeindlich, er ging nicht weiter auf das Thema ein. Hier wo ich jetzt bin ist es jedoch quasi das Paradies zumindest werden wir hier nicht massiv belästigt, jetzt wo ich darüber nachdenke ist das das erste Mal seit ich arbeite. Wahnsinn! Die Dominanz und der Männer ist trotzdem spürbar, ich als Frau und Mutter existiere quasi nicht in den Augen meiner CHEFIN!

Das ist in meinen Augen ein großes Problem, solange es keine Solidarität gibt und wir Frauen genauso agieren wie Männer, Scherze auf unsere Kosten treiben, wegschauen und den Mund halten wenn wir sehen, dass jemand verbal oder körperlich bedrängt wird, solange wir Frauen benachteiligen und auf das Aussehen reduzieren, solange werden wir kaum die Männerwelt ändern. Gott sei Dank gibt es ja auch noch viele Männer die sich als die berühmte Ausnahme bezeichnen dürfen. Einer davon ist dieser Hier  und natürlich der Liebste auch.

Ich hoffe, dass diese Kraft, die sich in beiden Themen entwickelt, nicht im Sande verläuft und für uns alle und vor allem für unsere Kinder hoffe ich die Welt zu verändern, nicht mehr und vor allem nicht weniger!

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